Vollfinanzierung: Die absolute Ausnahme

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Der Begriff Vollfinanzierung bedeutet, dass ein Unternehmen eine Investition ausschließlich mit einem Firmenkredit stemmt. Die Teilfinanzierung, bei welcher die Kreditnehmer Eigenkapital einbringen, stellt das Gegenteil dar. In der Praxis spielen Vollfinanzierungen kaum eine Rolle, da das Risiko für Banken zu hoch liegt. Auch aus Unternehmenssicht ist es meist besser, Eigenkapital einzubringen.

Vollfinanzierungen: Vor- und Nachteile für Banken und Betriebe

Banken könnten sich grundsätzlich über eine Vollfinanzierung freuen. Sie vergeben Geschäftskredite mit einer hohen Summe, entsprechend hohe Zinseinnahmen erzielen sie. Das setzt jedoch voraus, dass Kreditnehmer das Darlehen zurückzahlen. Hierin besteht der Grund, warum die Institute nur in Ausnahmefällen eine Investition komplett finanzieren. Eigenkapital betrachten sie als eine unverzichtbare Form der Kreditsicherheit. Erstens reduziert sich dadurch das Ausfallrisiko, ein Beispiel soll das verdeutlichen: Eine Firma kauft für eine Million Euro eine Maschine. 20 % finanziert sie mit Eigenkapital, die restlichen 80 % über einen Kredit. Zugleich dient die Maschine als Sicherheit, die Bank kann sie bei einem Zahlungsausfall verwerten. Der Wert der Maschine sinkt jedoch mit der Zeit erheblich. Bei einer Vollfinanzierung deckt er die Restschulden nicht ansatzweise ab. Das ändert sich, wenn das Unternehmen 200.000 Euro selbst aufgebracht hat. Die Lücke zwischen sinkendem Maschinenwert und Restschuld verringert sich. Ein weiteres Argument spricht für eine Beteiligung mit Eigenkapital: Firmen überprüfen die Risiken einer Investition nach Meinung der Institute intensiver, weil sie sich selbst einem erheblichen finanziellen Verlustrisiko aussetzen.

Aus dem Blickwinkel der Unternehmen hat eine Vollfinanzierung den Vorteil, dass sie Investitionen bei fehlendem Eigenkapital tätigen können. Bei einem erfolgreichen wirtschaftlichen Verlauf zahlen sie mit den Erlösen den Investitionskredit zurück und erzielen Gewinne. Das geht mit dem Nachteil einher, dass sie hohe Zinskosten tragen müssen. Zudem sollten sie die Gefahren nicht unterschätzen. Erwirtschaften sie mit einem Projekt nicht die prognostizierten Einnahmen, sehen sie sich mit hohen Restschulden konfrontiert. Im schlimmsten Fall können sie die Kreditraten nicht tilgen und müssen Insolvenz anmelden. Es kommt hinzu, dass Kapitalgesellschaften bei einer Vollfinanzierung in ihren Bilanzen eine hohe Fremdkapitalquote ausweisen müssen. Das schreckt potenzielle Investoren ab.

Eigenkapital einsetzen: Die Möglichkeiten

Bestenfalls verfügen Unternehmen aus dem Geschäftsbetrieb über ausreichend finanzielle Mittel, mit denen sie den erforderlichen Anteil an Eigenkapital aufbringen können. Sie können hierfür die Gewinne beziehungsweise die Gewinnrücklagen nutzen. Reicht das nicht, können sie das Eigenkapital durch Investoren organisieren. Zum einen können die aktuellen Eigentümer ihre Einlagen erhöhen. Zum anderen kann die Firma neue Investoren werben. Bei der zweiten Variante sollten die Besitzer bedenken, dass sie damit an Stimmrechten verlieren und prozentual weniger an den Ausschüttungen beteiligt sind.

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About Author

Katharina Lange arbeitet als freiberufliche Gründercoachin und unterstützt Selbständige und Startups beim Gründen, Finanzieren und Wachsen. Neben eher drögen Themen wie Buchhaltung und Warenwirtschaft ist sie zudem Expertin für innovative Konzepte wie Growth Hacking, Customer Retention und alle Bereiche des Online Marketing.

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